Besser als gut

Während ich hier am „schon wieder ist es Freitag“ Tisch sitze und einige Spiele auf dem Handy zocke, schweifen meine Gedanken, um einen Plan oder sowas in der Art zu kreieren, was ich heute wie, wann und in welcher Reihenfolge erledige. Nebenbei lausche ich noch den Geräuschen, welche mir durch die weitgeöffnete Balkontür aus der Umgebung entgegenschallen. Diese äähhh, uuuuhh und hääeähhh hören sich fast so an als veranstalteten heute die Senioren drüben in der Residenz ein Indianerfest, aber da ich bereits vor vielen Jahren mal in dem Gebäude war, weiß ich, dass ganz oben ein Sportraum ist. Freitags ist also Gymnastiktag oder die Theatergruppe probt. Ganz sicher bin ich mir immer noch nicht. Muss ich aber auch nicht. Dennoch hören sich die Töne und Wortfetzen interessant an. Vielleicht ist ja auch Ergotherapie mit einigen der Senioren. Naja, es ist ja auch egal. Wenn ich es gar nicht mehr aushalte, bleibt ja noch die Möglichkeit, dass ich es mal hinterfrage, oder? Ich bin mir nur eben bewußt, dass einer der Nachbarn grad sein Mittagessen zubereitet. Es duftet sowas von lecker, dass ich Hunger bekomme. Diesen Duft nehme ich sicher in ein paar Tagen mit, wenn ich hier ausziehe. Genau wie zig andere Erinnerungen, wie bspw. die x geernteten Pflaumen aus der näheren Umgebung sowie vom Apollensberg und die daraus zubereitete Pflaumen-Rotwein-Zimt-Marmelade. Ah ja, es ist natürlich Konfitüre. Egal, es ist etwas, dass man essen kann. Wie womit oder worauf – egal. Schnuppe.

Apropro. Was gibt es schöneres als nachts um elf spazieren zu gehen und dabei seinen Blick gen Sternenhimmel schweifen zu lassen? Nichts oder zumindestens nichts essentielles und dann gibt es noch diese x herrlichen Sonnenuntergänge hinterm Berg oder am Fluss. Diese Herrchen mit ihren flauschigen Hunden, welche mich nicht vergessen lassen, dass es bald wieder Winter wird, obwohl es ja grad erst vor wenigen Tagen Sommer geworden ist und noch viele andere Dinge, wie bspw. diese arg aufdringlichen Mücken, die ihr Recht durchsetzen mich als ihren auserkorenen Blutspender zu nutzen. Ich kann definitiv beweisen, dass ich in den letzten Wochen einen guten Willen gezeigt habe, denn schließlich hätte ich ja öfter andere Routen durch Wiese und Flur nehmen können… Aber auch die Fliegen sind dieses Jahr besonders lästig oder sollte ich mich vielleicht sogar glücklich schätzen, dass sie mich in regelmäßigen Abständen besuchen kommen? Zumindestens bringe ich in letzter Zeit regelmäßig den Müll zum Container, denn schließlich unterliegt ja die Haltung von Haustieren einer Genehmigung des Vermieters und ich hab echt keine große Lust Essigfliegen zu züchten. Zur Abwechselung spiele ich dann noch mit diesen kleinen schwarzen Käfern Hasche, denn wenn ich einen in seine verdiente Freiheit ausgesetzt habe, sitzt tagsdrauf der Nächste im Raum oder ich erwische ihn, wie er ohne Rücksicht auf eventuellen Hausfriedensbruch den Weg geradeaus unter die Stehlampe nimmt. Ganz nebenbei kann ich somit regelmäßig die Spinnenweben aus der Ecke und unter der Heizung entfernen. Ich bleib also in Bewegung oder steigere sogar so noch meinen Aktivitätenlevel, aber ich bleib ganz leise dabei. Krach machen schließlich Andere mehr als genug. Ich lausche nur gern den sanften und rockigen Klängen aus den Nachbarwohnungen oder den Bässen aus den Radios der eilig vorbeifahrenden Autos. Ich lebe somit effizient, so dass ich nicht nur Energie spare, sondern auch keine unnötige elektromagnetische Strahlung abgebe.

Manchmal sind es echt die kleinen Dinge, die einem das Leben, ich sag mal, verschönern und manchmal sind diese kleinen Dinge sehr wichtig, wenn nicht sogar – überlebenswichtig. Aber noch viel öfter, ist etwas nicht so, wie es erscheint. Auf den ersten Ton und oder Blick zumindestens. Dennoch machen einem auch kleine Dinge Sorgen oder Nöte. Aber lassen Sie nicht den Kopf hängen. Hören Sie einfach auf Ihr Bauchgefühl und geben dazu eine Prise Vernunft. Schon sollte fast nichts mehr schief gehen. Probieren Sie es mal aus.

Allerdings vergessen Sie bitte auch nicht den Mitmenschen hin und wieder mal aufmerksam zu lauschen. Dabei denke ich jetzt speziell an eine kleine Begebenheit von neulich, als ich abends die Treppe runterschlich und mich aus dem Erdgeschoss ein Stöhnen und Keuchen empfing. Welcher der zig Senioren wohl um diese Zeit noch auf den Beinen ist, schoss mir pertut durch den Kopf. Doch als ich unten ankam, blickte ich in ein sehr junges Gesicht…

(Fast) nichts ist so, wie es scheint. Es ist oft noch viel besser und interessanter.

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